Germany
November 30, 2007Quelle:
bioSicherheit.de (GMO Safety)
http://www.biosicherheit.de/de/aktuell/600.doku.html
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EU-Umweltkommissar Stavros Dimas will die beiden
Bt-Maislinien Bt11 und 1507 nicht für den Anbau
zulassen. Er sieht "ernste Hinweis für
Umweltrisiken". |
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Marc Van
Montagu, Präsident der European Federation of
Biotechnology. "Der Entscheidungsvorschlag von
Dimas hat keine wissenschaftliche Grundlage." |
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Dr. Michelle
Marvier, Ökologin an der Santa Clara University,
California hat eine Metastudie zu Wirkungen von
Bt-Mais auf Nicht-Zielorganismen durchgeführt.
Ergebnis: Bt-Toxin wirkt zielgerichteter als
herkömmliche Insektizide. |
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EU-Umweltkommissar Dimas will für
zwei gentechnisch veränderte Bt-Mailinien Bt11 und 1507 die
Zulassung zum Anbau in der EU verweigern. Damit setzt er sich
über die wissenschaftliche Stellungnahme der Europäischen
Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hinweg. Während Dimas
seine Entscheidung mit möglichen Umweltrisiken begründet, sind
die EFSA-Experten bei ihrer Sicherheitsbewertung zu dem Ergebnis
gekommen, der Anbau dieser Bt-Maislinien sei genau so sicher wie
konventioneller Mais.
Seit 1998 ist in der EU keine gv-Pflanze mehr zum Anbau
zugelassen worden. Nun sind drei Anträge nach jahrelangen
Beratungen und Prüfungen entscheidungsreif. Die
wissenschaftliche Sicherheitsbewertung ist abgeschlossen, alle
gesetzlichen Voraussetzungen für eine Zulassung erfüllt. Nun
muss die EU-Kommission einen Entscheidungsvorschlag ausarbeiten.
Zuständig dafür ist der griechische EU-Umweltkommissar Stavros
Dimas.
Die EU-Rechtsvorschriften zur Gentechnik sehen vor, dass die
Kommission bei ihrer Entscheidung in der Regel der
wissenschaftlichen Stellungnahme der EFSA folgt. Doch nun weicht
Dimas zum ersten Mal davon ab: Er empfiehlt der Kommission, die
beiden Bt-Maislinien 1507 und Bt11 nicht zum Anbau in der EU
zuzulassen. Damit setzt er sich über die Empfehlungen des
Gutachtens des GMO Panels der EFSA hinweg.
"Ernst zu nehmende Hinweise"
Dimas begründet seinen Vorschlag mit "ernst zu nehmenden
Hinweisen", dass der Anbau von Bt-Mais schädliche Auswirkungen
für Nicht‑Zielorganismen habe. Außerdem seien Veränderungen in
den Nahrungsketten zu befürchten, da Schmetterlings-Raupen
stärker von Parasitoiden befallen werden. Als weitere
unerwünschte Folge eines Anbaus von Bt-Mais sieht Dimas negative
Einflüsse auf die mikrobiellen Lebensgemeinschaften im Boden.
Der Anbau von Bt-Mais führe zudem zu einer Belastung der
Oberflächengewässer und damit der aquatischen Ökosysteme. Da
mögliche Langzeitrisiken nicht ausreichend erforscht seien und
es zudem dafür an geeigneten Untersuchungsmethoden fehle, sei es
im Sinne des Vorsorgeprinzips geboten, die beiden Bt-Maislinien
nicht für den Anbau freizugeben.
Dimas stützt seine Entscheidung auf elf wissenschaftliche
Publikationen, die von der EFSA nicht ausreichend berücksichtigt
worden seien.
"Dimas stützt sich auf längst widerlegte wissenschaftliche
Argumente"
Doch inzwischen bekommt Dimas Gegenwind. Seine Entscheidung, die
Zulassung zu verweigern, habe "keine wissenschaftliche Basis",
so Prof. Marc Van Montagu, Präsident der European Federation of
Biotechnology (EFB) in einem offen Brief an Dimas. In neun der
elf angeführten Publikationen haben sich, anders als der
Kommissar es in seiner Begründung darstellt, keine Hinweise auf
schädliche Umwelteinflüsse durch den Anbau von Bt-Mais gezeigt.
Auch die beiden übrigen Studien seien keine Grundlage für ein
Anbauverbot in Europa: Bei einem Forschungsprojekt zu
Auswirkungen von Bt‑Toxin auf Köcherfliegen haben sich erste
Laborbefunde unter natürlichen Bedingungen nicht bestätigt; eine
weitere Publikation beschäftige sich mit grundsätzlichen
methodischen Fragen.
EFB-Präsident Montagu unterstreicht in seinem Brief an Dimas,
dass die wissenschaftliche Stellungnahme der EFSA mit den
Ergebnissen einer Vielzahl von Studien und Publikationen
übereinstimme.
- Eine Gruppe
US-amerikanischer Ökologen hat im Sommer 2007 eine
Metastudie zu 42 Einzeluntersuchungen zu den Auswirkungen
von Bt-Toxin auf Nicht-Zielorganismen veröffentlicht.
Hinweise, die auf ökologische Risiken hindeuten könnten,
fanden sich nicht.
- Insgesamt 63
wissenschaftliche Studien haben bestätigt, dass sich das
Bt-Toxin nicht im Boden anreichert und keine schädlichen
Auswirkungen für Bodenorganismen hat.
Mit seinem Entscheidungsvorschlag
setzt sich Dimas über die wissenschaftliche Expertise seiner
eigenen Fachbehörde hinweg. Damit beschädige er die
Glaubwürdigkeit und wissenschaftliche Reputation der
Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, kritisiert der
EFB-Brief.
Doch ob sich Dimas durchsetzen kann, ist unklar. Offenbar wird
seine Haltung von der Mehrheit der übrigen EU-Kommissare nicht
geteilt. Nun soll über eine gemeinsame Linie verhandelt werden.
Dabei soll auch über die dritte gv-Pflanze abgestimmt werden,
deren Anbau in der EU zur Genehmigung ansteht: die
Amflora-Kartoffel mit veränderter Stärkezusammensetzung. Ein
Termin dafür steht noch nicht fest. |
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