Bonn, Germany
May 19, 2008
Source:
GMO Safety
The Cartagena Protocol on the
transboundary movement of genetically modified organisms (GMOs)
will be revised by 2010 to include legally binding rules on
liability and redress for damage to biodiversity. This is the
basic path agreed on today by the 147 parties to the
international convention at the 4th meeting of the UN Conference
on Biosafety (MOP 4) in Bonn. However, many questions concerning
the details remain unanswered.
"At times during the negotiations we reached a point that would
have meant failure,“ says Ursula Heinen, the Chairman of the
conference and Parliamentary State Secretary at Germany’s
Federal Ministry of Agriculture (BMVEL), summarising the
marathon five days of discussions with 2000 delegates. Reports
from among the participants revealed that until the last minute
Japan had blocked any progress by refusing to accept any kind of
legally binding agreement on liability. Only massive diplomatic
pressure persuaded the Japanese delegation to come round to the
idea in a late-night session.
What has now been agreed is that provisions will be added to
Article 27 of the Cartagena Protocol to prescribe how liability
and redress are to be managed in the case of damage to
biodiversity caused by genetic engineering. The alternative
model of mutual recognition of national, civil law decisions by
all parties was rejected for the most part.
Among other things, the European Union had objected to
intervention in state civil law. The MOP4 final document leaves
a grey area on this point, however. It does not rule out the
possibility of individual civil law elements being declared
binding in the future. This is just one of the many ambiguities
that technical and legal experts are to clear up over the next
two years. There are likely to be additional expert meetings in
Mexico and Malaysia for this purpose, as Ahmed Djoghlaf,
Executive Secretary of the UN Convention on Biological Diversity
(CBD), explained.
The experts are to clarify how damage to biodiversity is
identified, evaluated in financial terms and compensated. What
is clear is that the burden of proof will lie with the injured
party. The injured party will have to prove the causative link
between the use of GMOs and the biodiversity damage claimed.
Then the injured state will be able to claim damages from the
party responsible for the environmental damage. For developed
industrial nations, this means practically no change to the
status quo, according to an expert involved in the negotiations.
Developing countries in particular, however, would gain legal
certainty vis-à-vis GMO-exporting states by ratifying the
revised Cartagena Protocol. The voluntary commitment proposed by
six biotech companies was discussed at the conference, but did
not meet with any appreciable support.
For a "GM-free world"
The alternative "Planet Diversity" summit organised in the same
location, also ended today. The 700 participants from more than
100 countries issued a joint declaration calling for a worldwide
moratorium on the production of biofuels and the cultivation of
genetically modified plants. Indian activist and winner of the
Alternative Nobel Prize Vandana Shiva said: "We need a GM-free
world". Agricultural biotechnology was, she claimed, unnecessary
for supplying the population with food. She described the
cultivation of agricultural raw materials for the production of
biofuels as an experiment at the expense of developing nations.
Biofuel aggravated climate change instead of helping to protect
the climate.
Schwieriger Kompromiss:
Grundsatzbeschluss zur Gentechnik-Haftung
Das Cartagena-Protokoll zum grenzüberschreitenden Handel mit
gentechnisch veränderten Organismen (GVO) wird bis 2010 um
rechtlich bindende Regeln für die Haftung und Wiedergutmachung
bei Schäden an der Biodiversität ergänzt. Auf diese
grundsätzliche Weichenstellung haben sich die 147
Vertragsparteien des internationalen Abkommens auf der 4.
UN-Konferenz zur Biologischen Sicherheit (MOP 4) heute in Bonn
geeinigt. Viele Detailfragen blieben jedoch offen.
"Wir standen im Verlauf der
Verhandlungen zeitweise an einem Punkt, der ein Scheitern
bedeutet hätte", fasste Ursula Heinen, die Vorsitzende der
Konferenz und Parlamentarische Staatssekretärin beim
Bundeslandwirtschaftsminister den Verlauf des fünftägigen
Gesprächsmarathons mit 2.000 Delegierten zusammen. Wie aus
Teilnehmerkreisen zu erfahren war, blockierte Japan bis zuletzt
jeden Fortschritt mit seiner Weigerung, jedwede rechtlich
bindende Vereinbarung zur Haftung zu akzeptieren. Erst massiver
diplomatischer Druck veranlasste die japanische Delegation, in
einer Nachtsitzung einzulenken.
Nun steht fest: Artikel 27 des Cartagena‑Protokolls wird um
Vorschriften erweitert, die den Vertragsstaaten bindend
vorschreiben, wie die Haftung und Wiedergutmachung bei
gentechnikbedingten Schäden an der Biodiversität zu gestalten
ist. Das Alternativmodell einer gegenseitigen Anerkennung
einzelstaatlicher, zivilrechtlicher Entscheidungen durch alle
Vertragsparteien wurde weitestgehend verworfen.
Unter anderem die Europäische Union hatte Eingriffe in das
einzelstaatliche Zivilrecht abgelehnt. Das
MOP4-Abschlussdokument lässt in diesem Punkt allerdings eine
Grauzone. Es schließt nicht aus, dass einzelne zivilrechtliche
Elemente künftig für bindend erklärt werden können. Dies ist nur
eine der vielen Unklarheiten, die technische und juristische
Experten in den kommenden zwei Jahren ausräumen sollen. Dazu
werden voraussichtlich zusätzliche Expertentreffen in Mexiko und
Malaysia stattfinden, wie der Exekutivsekretär der
UN-Biodiversitätskonvention (CBD), Ahmed Djoghlaf, erläuterte.
In diesem Rahmen soll konkret geklärt werden, wie Schäden an der
Biodiversität festgestellt, finanziell bewertet und entschädigt
werden. Klar ist, die Beweispflicht wird beim Geschädigten
liegen. Er wird den ursächlichen Zusammenhang zwischen der
GVO-Nutzung und dem reklamierten Biodiversitätsschaden belegen
müssen. Dann soll der geschädigte Staat den Verursacher der
Umweltschäden in Regress nehmen können. Für entwickelte
Industriestaaten bedeuten die Regeln nach Einschätzung eines in
die Verhandlungen eingebundenen Experten praktisch keine
Veränderung zum status quo. Vor allem Entwicklungsländer würden
durch die Ratifizierung des erweiterten Cartagena-Protokolls
jedoch Rechtssicherheit gegenüber GVO-exportierenden Staaten
gewinnen. Die von sechs Biotechnologie-Konzernen vorgeschlagene
freiwillige Selbstverpflichtung wurde auf der Konferenz
diskutiert, fand aber keine nennenswerte Unterstützung.
Für eine "gentechnikfreie Welt"
Auch der von Gentechnik-Kritikern am Tagungsort veranstaltete
Gegengipfel "Planet Diversity" endete heute. Die 700 Teilnehmer
aus mehr als 100 Ländern forderten in einer gemeinsamen
Erklärung ein weltweites Moratorium für die Produktion von
Biokraftstoffen und den Anbau von gentechnisch veränderten
Pflanzen. Die indische Aktivistin und Trägerin des alternativen
Nobelpreises Vandana Shiva sagte: "Wir brauchen eine
gentechnikfreie Welt". Die Agrarbiotechnologie sei für die
Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln entbehrlich. Den
Anbau von Agrarrohstoffen für die Produktion von Biokraftstoffen
bezeichnete sie als Experiment auf Kosten der
Entwicklungsländer. Biosprit verschärfe den Klimawandel statt
zum Schutz des Klimas beizutragen. |
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