Freiburg, Germany
July 05
Mit der Grand Challenges in Global Health Initiative hat sich
die Bill & Melinda Gates Foundation zum Ziel gesetzt, neue
Lösungen und Technologien zu unterstützen, die die Gesundheit in
unterentwickelten Ländern fördern. Die Initiative wurde 2003 in
Partnerschaft mit der amerikanischen Gesundheitsbehörde,
National Institutes of Health, gegründet. Für die
Weiterentwicklung des Goldenen-Reis-Projektes, das in Freiburg
seinen Anfang genommen hat, hat die Grand Challenges Initiative
der Universität Freiburg mehr als elf Millionen US-Dollar
Fördergelder in Aussicht gestellt. Das Geld kommt einem
internationalen Konsortium zugute, das der Freiburger Biologe
Professor
Dr. Peter Beyer als wissenschaftlicher Koordinator leitet.
Mangel an Vitamin A und hochwertigem Protein, Eisen oder Zink
ist häufig die Ursache von Krankheit und erhöhter Sterblichkeit.
Vor allem Kinder in Entwicklungsländern leiden unter der
Mangelernährung und entwickeln ein geschwächtes Immunsystem, das
sie für Krankheiten anfällig macht. Das führt in Gesellschaften
mit Reis als Hauptnahrungsmittel zu zahlreichen Fällen von
Blindheit und Tod im frühen Kindesalter.
Mit Hilfe der Gentechnik ist es Professor Beyer, Biologisches
Institut der Universität
Freiburg, und Dr. Ingo Potrykus, emeritierter Professor an
der ETH Zürich, gelungen mit zwei zusätzlich eingesetzten Genen
das Genom so zu verändern, dass im Reiskorn Provitamin A
(Beta-Karotin) angereichert wird. Der genetisch veränderte Reis
nimmt eine goldene Farbe an. Daher rührt die Bezeichnung
Goldener Reis. Ein erster Prototyp entstand 1999, der noch
relativ geringe Konzentrationen an Provitamin A aufwies. Seitdem
sind neue Linien mit höheren Konzentrationen entwickelt worden.
Die Technologie wird gemeinnützig und kostenfrei für
Entwicklungsländer zur Verfügung gestellt.
Die Grand Challenges in Global Health Initiative sieht in
genetisch modifizierten Getreidesorten mit hohen Konzentrationen
von wichtigen Nahrungsbestandteilen eine viel versprechende,
langfristig wirksame Lösung der Mangelernährung in
unterentwickelten Ländern. Mit der Grand Challenges Fördersumme
wird ein Projekt unterstützt, das neue Varietäten des Golden
Rice entwickelt. Vorrangiges Ziel ist, den Reis zu einem
vollwertigeren Nahrungsmittel für Menschen in
Entwicklungsländern zu machen. Ausgehend von den bereits
vorhandenen genetisch modifizierten Entwicklungslinien des
Golden Rice, die Provitamin A in Reiskorn anreichern, sollen die
neuen Sorten zusammen mit Vitamin A auch Vitamin E, Eisen, Zink
und hochwertige Proteine enthalten. Vitamin E hat zudem den
Vorteil, dass es den Gehalt von Vitamin A im Reiskorn
stabilisiert. Einen Schwerpunkt in der Grundlagenforschung setzt
das interdisziplinäre Wissenschaftlerteam auf die Erforschung
der Bioverfügbarkeit von pflanzlichem Eisen und Zink im
menschlichen Körper. Denn nur wenn der Körper die zusätzlichen
Nahrungselemente aufnimmt, macht die Anreicherung von Zink und
Eisen im Reiskorn Sinn. Die Forscher untersuchen, welche
genetischen und biochemischen Faktoren für die biologische
Verfügbarkeit von Eisen und Zink verantwortlich sind. Die
Untersuchung von lokalen Reissorten, die zudem über die neuen
Eigenschaften verfügen, sollen Auskunft geben, inwieweit Vitamin
A hilft, Eisen für den Körper verfügbar zu machen. Darüber
hinaus können so die optimalen Reissorten ermittelt werden,
bevor sie in den konventionellen Anbau gehen.
An der Forschung beteiligt sind vor allem Wissenschaftler der
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Michigan State
University, des Baylor College of Medicine in Houston, Texas,
und die Universität Hongkong. Die Übertragung der neuen
Eigenschaften in lokale Reissorten ist Aufgabe des
Internationalen Reisforschungsinstitutes (IRRI) und des
Reisforschungsinstituts PhilRice auf den Philippinen. Mit dabei
ist auch das Cuu Long Delta Rice Research Institute in Vietnam.
Als Partner in dem Forschungsprojekt verfügen sie über Erfahrung
mit nationalen Programmen und im Umgang mit
Regulierungsbehörden. Zum Team gehört auch Dr. Adrian Dubock,
beim Agrokonzern Syngenta zuständig für die internationale
Kooperation im Biotechbereich. |
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